7. Die Bayrische Zeit ab 1816

Nach den Wiener Kongress gehörte Schopp mit der gesamten Pfalz zu Bayern. Mit dem Holzland bildete es den nördlichsten Zipfel des Bezirksamts (Landkreises) Pirmasens.
Nach Jahren bei der Bürgermeisterei Waldfischbach wurde es 1831 eigenständige politische Gemeinde.

 

Die Gemeinde Schopp wird reich

Schopp verfügte –wie noch heute- gleich den übrigen Holzlandgemeinden über einen Gemeindewald, sogar über den größten im Holzland.
Im 19.Jh. wirkte sich der Untergang des Dorfes 1635 und das Elend der damaligen Schopper zum Segen für die dann lebenden Generationen aus:
46 Jahre lang, von 1635 bis 1681, war Schopp unbewohnt, 46 Jahre lang trieb niemand Schweine in den Wald, die alle Eicheln fraßen, niemand Kühe und Ziegen in den Wald, die jeden Aufwuchs abweideten, machte niemand Brennholz oder Bauholz oder Pfosten für Weidezäune. Ungestört konnten sich prächtige Eichen und Buchen entwickeln, die nach der Wiederbesiedlung durch die geringe Bevölkerung weiter Schonungsjahre erlebten. Jetzt – 200 Jahre später – konnte die Gemeinde riesige Holzvorräte vermarkten, vor allen die langsam gewachsenen und heute noch gesuchten Furniereichen. Jährlich flossen beträchtliche Gelder in die Gemeindekasse.
Bald standen nicht nur viele Bürger, sondern auch Dutzende Gemeinden, Städte und Landkreise der Pfalz bei Schopp in der Kreide. Immobilienvermögen in Kaiserslautern wurde angelegt.
Schon 1838, gerade einmal 3 Jahre nach der Jungfernfahrt der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth, erwarb die Gemeinde für den gesamten damaligen Barbestand Eisenbahnobligationen! Die Zukunftsbedeutung der neuen Technik wurde erkannt, obwohl in der Pfalz noch kein Meter Schienen lag! Hier waren ganz offenbar keineswegs „dumme Bauern“ am Werk!

 

Schopp, ein Steuerparadies des 19.Jahrhunderts

  • Schopper Bürger zahlten kein Schulgeld, die Schulbücher und Verbrauchsmaterialien   der Kinder zahlte die
    Gemeinde

  • Brennholz in bestimmten Mengen und Bauholz für landwirtschaftliche Gebäude gab es umsonst.

  • Ab 1862 zahlte die Gemeinde alle Steuern ihrer Bürger mit Ausnahme der Kapitalertragssteuer

  • Die Gemeinde schuf Ende des Jahrhunderts aus eigenen Mitteln eine Ortskrankenkasse, einen mit Kapital ausgestatteten Viehversicherungsverein und bestellte auf ihre Kosten einen Ortsarmenarzt, der Bedürftige unentgeltlich zu behandeln hatte 
                                                        
    Altes Schulhaus von 1840 (heute Dr. Heinemann) Aufnahme um 1960

 

  • Die Gemeinde finanzierte die Berufsausbildung von Waisen und Halbwaisen und die Auswanderung von Mittellosen                                            
  • 1892 wurde im gesamten Ort eine Wasserleitung verlegt, jedes Haus erhielt einen Wasseranschluss. Anliegerkosten wurden nicht erhoben

  • In den Jahren 1800, 1840 und 1903 wurden jeweils neue Schulhäuser gebaut

  • 1825 wurde der heutige Friedhof angelegt. Er lag noch „weit vor den Toren“!

  • Der Bahnbau 1911-13 brachte die Verbindung zu den Städten Kaiserslautern und Pirmasens und deren industriellen Arbeitsplätzen. Das Bahngelände stellte die Gemeinde Schopp auf voller Länge in seiner Gemarkung kostenlos zur Verfügung

  • Das Dorf erweiterte sich im Verlauf der Hauptstraße Richtung Pirmasens, durch die Neue Straße und die Bahnhofstraße, wenngleich die Straßen alle noch nicht so hießen.

  • Neben den Arbeitsplätzen im Wald entstanden solche beim Bahnbau, in den zahlreichen Steinbrüchen und in der Pulverfabrik

 

Warum wollten nicht alle Pfälzer Schopper werden?

Sie hätten vielleicht schon gewollt – aber man hat sie nicht gelassen, denn Schopp erhob zur Abwehr von Habenichtsen ein Bürgereinzugsgeld, also ein Eintrittsgeld ins „Steuerparadies“. Dies war so hoch bemessen, dass es seine Wirkung tat. Man ließ allerdings listig auch Schlupflöcher offen für die, die man haben wollte:
Einheiratende Männer zahlten die Hälfte, Handwerker in gerade gesuchten Berufen ebenfalls, in einigen Fällen sogar gar nichts.

 

Warum die Schopper Amerikaner werden wollten

Obwohl die Gemeinde reich war, blieben die meisten Bürger arm. Der medizinische Fortschritt ließ mehr Kinder das Erwachsenenalter erreichen, die Schopper Sozialleistungen taten ein Übriges, die Erbteilung unter den vielen Kindern ließen die so typischen “Handtuchäcker“ entstehen, die keinen mehr ernähren konnten. Daher wanderten Dutzende von Familien nach Amerika aus.
Die Schopper Ortspolitik war in der bayrischen Zeit durchweg von Liberalen bestimmt, die die Freiheit des Wortes, der Presse, des wirtschaftlichen und politischen Handelns in den Mittelpunkt ihres Denkens gerückt hatten.
Sie waren den regierenden Bayern nicht unbedingt wohlgesonnen, da diese die pfälzischen, in der Franzosenzeit gewonnenen Freiheiten (z.B. der Bürgermeisterwahl) beschneiden wollten und etwa 1829 mit Ludwig I. eine Zollmauer um die Pfalz errichteten, was eine schwere Wirtschaftskrise in der Pfalz zur Folge hatte.
Ludwig I. machte in diesem Jahr seinen Regierungsantrittsbesuch in der Pfalz und wollte außer allen pfälzischen Städten auch zwei ausgesuchte Dörfer besuchen, darunter Schopp, die wohlhabendste pfälzische Gemeinde.
Die Schopper Gemeinderäte haben ihn kurzerhand ausgeladen! Welch ein Rückgrat! Welch ein Selbstbewusstsein in dieser frühen Zeit!
1832 war der Schopper Bürgermeister Johannes Jacob Teilnehmer des Hambacher Festes – konsequenterweise. Er wurde angeklagt wegen Hochverrates.
In der Revolution 1848/49 finden wir erneut die Schopper und ihren Bürgermeister auf der Seite der Freiheitskämpfer. Durch das Scheitern der Revolution wurden die Leute jäh auf den Boden der Tatsachen geholt. Eine Auswanderungswelle schwappte über die Pfalz und auch über Schopp. In nie gekanntem Ausmaße trieb es die Menschen über den Ozean ins Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. In Schopp hatte man schlussendlich die Hoffnung auf Besserung in der Heimat verloren und beantragte 1852 bei der Regierung in Speyer die Auflösung der Gemeinde, um mit der Veräußerung des Gemeindevermögens, vor allem des Waldes, die gemeinsame Auswanderung der Schopper nach Amerika zu finanzieren. Die Ablehnung der Regierung verhinderte den Untergang des Dorfes in der Pfalz und die Gründung eines „New Schopp“ irgendwo in Amerika. Also liegt Schopp weiterhin im pfälzischen Holzland.

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